Nachgefragt - Erfahrungen einer Ärztin

Gesucht und Gefunden: Die Zusammenarbeit der Onkonlogischen Station des Klinikums Pforzheim mit dem Ambulanten Hospizdienst

Vor nun fast vier Jahren begann ich meine Tätigkeit im Klinikum Pforzheim als Oberärztin für Onkologie und Hämatologie. In den Ausbildungsjahren zuvor hatte ich stets gedacht, meine Arbeit bestände hauptsächlich im Durchführen von Chemotherapien und dem Versuch "gesund zu machen". Die Palliativmedizin war ein Bereich, der erstklassig auf einer Palliativstation mit Hilfe von Brückenschwestern und engagierten Hausärzten durchgeführt wurde...

Kaum in Pforzheim lernte ich schnell, dass die Onkologie in einem "normalen Krankenhaus jedoch ganz anders aussieht, das es all die zu heilenden Patienten kaum gibt, das es die perfekte ambulante Infrastruktur nicht gibt, und dass der Grossteil meiner stationär betreuten Patienten schwerstkrank, ja sterbend krank ist und mit diversen sozialen Problemen behaftet. Dies hatte für mich die Konsequenz, dass ich mich viel intensiver mit dem Thema der palliativmedizinischen Betreuung auseinandersetzte, aber dass ich auch nach mich darin unterstützenden Menschen suchte.

Nach einigen Wochen trat erstmals der ambulante Hospizdienst in meinen Blickwinkel: dies ist ein Verein, der zu dieser Zeit zwar schon gut fünf Jahre bestand, aber offensichtlich auch manche Probleme hatte, an "seine Zielgruppe" zu gelangen. Die Scheu der Patienten, der Angehörigen und der Ärzte vor dem Wort "Hospiz" war vor Jahren noch größer als heute und die Bereitschaft zur Kontaktaufnahme eher nicht so groß.

Nach einem Besuch und Vorstellung meinerseits beim Hospizdiensttreffen und ein paar mehr oder auch weniger fruchtbaren Kontaktversuchen, kamen wir auf einen Nenner: ein oder zwei Mitglieder des Hospizdienstes sollten einmal pro Woche auf meine Station kommen, hier würden wir besprechen, welche Patienten evtl. für ein Gespräch aufgeschlossen und bedürftig wären, dann sollte ein erster und ggf. ein anhaltender Kontakt zu den jeweiligen Menschen aufgenommen werden.

Anfangs war dies sicherlich für die Damen des Hospizdienstes nicht leicht, da sie auf einmal und in der kurzen Zeitspanne einer abendlichen Stunde unter Umständen 10 oder mehr Patienten ansprechen und deren Geschichte anhören sollten. Aber nach einigen Wochen und nun Monaten der derartigen Zusammenarbeit wurden wir alle souveräner: ich in der Auswahl der betreffenden Patienten, und die Hospizdienstmitglieder in ihrem Auftreten, ihrer Vorstellung beim Patienten und in der Entscheidung, welcher Patient für spätere Langzeitbetreuung geeignet schien. Dies dokumentierte sich darin, dass anfangs ein weißer Kittel getragen wurde, um eine gewisse "offizielle Distanz" zu schaffen, weiterhin in der mittlerweile dankenswerterweise erfolgten Umgestaltung des Flyers des Hospizdienstes, der mit seinen zwar wahren, aber doch auch sehr harten Inhalten viele Patienten erst mal abgeschreckt hatte.

Mittlerweile funktioniert die Zusammenarbeit nach meinem Erachten perfekt: ich habe ein gutes Gefühl, wenn zumindest einmal pro Woche meine Patienten die Möglichkeit haben, sich auszusprechen oder auszuweinen, oder auch über mich/uns zu Beklagen... Und ich weiß, dass schon viele meiner Patienten das Angebot der weiteren Betreuung zuhause nutzten und gut und liebevoll betreut wurden bis zu ihrem Tod. Dies wurde mir so richtig klar, als im vergangenen Dezember zum Adventsgedenkgottesdienst so viele bekannte Namen genannt wurden - gemeinsame Patienten (und deren Angehörige), denen ich medizinisch nicht mehr hatte helfen können, die aber ihre letzten Lebenswochen oder- Monate eine professionelle, fundierte und hinwendende Betreuung erfahren hatten.

Dr. med. B. Sandritter


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