Festrede von Hermann J. Bayer


Leben wecken
Sterbebegleitung zwischen Tabu und Öffentlichkeit

I
Herzlichen Glückwunsch und Dank die Festrede halten zu dürfen.

II
Leben wecken zu dürfen
Sterbebegleitung zwischen Tabu und Öffentlichkeit ansprechen zu dürfen oder wir können auch etwas konkreter schon sagen:

Sterbebegleitung im Ambulanten Hospizdienst Pforzheim - als Dienst zwischen Tabu und Öffentlichkeit. Einer der Leben weckt, selbst wenn Menschen auf ihrem letzten Abschnitt ihres Lebens begleitet werden. Weil Sterben zum Leben gehört.

Doch zunächst dies
Es ist maßgeblich der Verdienst Einzelner, welche durch ihre Initiative (wir haben davon gehört) sich und die Welt geweckt und aufmerksam machten auf diese letzte Zeit des Lebens, die nur allzu oft in eine andere Zeit eingeteilt werden möchte, einer Zeit, die scheinbar zum Leben nicht mehr dazugehört und die als "Sterben" bezeichnet wird. Eine Zeit, die scheinbar "nach dem Leben kommt", von der jedoch das mittelalterliche Kirchenlied schon singt "Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen."

Durch sie, die sie den Hospizdienst initiiert, gegründet und mit Leben bis heute bewohnen, wird der Tod wieder in das Leben geholt, (wo er immer schon ist) und es entsteht Öffentlichkeit.

Was zunächst als Mangel erlebt wird ("Sterbende und ihre Angehörige nicht alleine lassen") wird zum Motor, sich für eine Sache einzusetzen, einer Bewegung zu folgen, die alle Bürgerinnen und Bürger erreichen soll. (Bürgerbewegung). Sterben aus dem Tabubereich holen, darüber reden, hinsehen, wie gestorben wird zuhause, im Pflegeheim und im Krankenhaus - dies ist wirklich ein großer Verdienst der Hospizbewegung der letzten 20 Jahre in Deutschland, der Veränderung bewirkt hat. Zum Beispiel auch, dass in der Zwischenzeit sogar die Gruppe derer, die sich hier in Pforzheim neu auf den ehrenamtlichen Dienst vorbereiten aus 50 % Männern besteht! Ein Novum, wenn wir ins Land schauen und bisher bestätigt sehen, dass soziales Tun weiblich ist! Soviel hat sich verändert und wandelt unser Denken und Fühlen in einer Weise, dass selbst die im psychosozialen/medizinischen/pflegerischen Bereich Tätigen erkennen, es geht nicht nur um die Würde sterbender Menschen und ihrer Angehörigen, sondern in gleicher Weise um die Würde derer, die sich um sie kümmern. Um die Begleiterinnen und Begleiter selbst.

Wir stehen ebenso in einer gesellschaftspolitischen Diskussion, die gerade mit der Überschrift "Sterbehilfe" den Beitrag des Hospiz festigt und herausfordert.

Das ist die eine Seite. Die andere zeigt jedoch, dass es in gleicher Weise notwendig ist, Sterben als ein intimes und individuelles Geschehen im Tabubereich (ein heiliger Ort, ein heiliges Geschehen) zu schützen, es nicht öffentlich zur Schau zu stellen oder in Mitarbeiterkreisen zu diskutieren, ob dieser Mensch nun "richtig oder falsch" seinen Weg geht. Die Würde eines Menschen darf in dem Augenblick, wo er auf Hilfe angewiesen ist, nicht zum wertenden Lebensereignis werden, über das andere mitbestimmen wollen. Weil diese Lebenszeit plötzlich öffentlich wird. Darin möge das Hospiz beitragen, dass Sterben tabu bleibt. Auch und gerade in der Öffentlichkeit

Tabu und Öffentlichkeit in zweierlei Weise

Damals, als wir, Frau Mandel und ich, im April über den Inhalt dieses Festvortrages nachgedacht haben, da waren wir mitten drin in diesem Thema von Tabu im Sinne von Schutz und Teilhabe einer bislang so nie gekannten Öffentlichkeit (damals der sterbende Papst Johannes Paul II, die Amerikanerin Schiavo, deren Leben im Wachkoma beendet werden sollte und selbst das einsame Sterben von Harald Juhnke wurde diskutiert)


Die Medien fragten bereits, ob sich ein weiterer Tabubruch vollzieht. "Werden wir bald unbefangener mit dem Tod umgehen...(Roland Müller in der Stuttgarter Zeitung April 2005) Was die Medienmaschine anbelangt, so der Journalist, so mag das sein...Dennoch: ein natürlicher Umgang mit dem Tod sieht anders aus. "Dieser Tod sollte wohl nicht in der weiß getünchten Einsamkeit eines anonymen Klinikbetts nach uns greifen, gewiss aber auch nicht im Licht der Fernsehkameras. Und er (der natürliche Umgang) hätte vermutlich auch etwas mit einem Abschiednehmen von allen irdischen Belangen, mit einem von der Medienöffentlichkeit unbehelligtem, aber vom Freundes- und Familienkreis begleiteten Sterben.

Ob nun eine Million zuschaut oder ein Hospizhelfer da ist: Selbst der Tod von Johannes Paul II eignete sich nicht zu einer süßlichen Inszenierung.. Was er empfunden haben mag in seinen letzten Tagen, weiß niemand. "Aber so weit es zu sehen war, hatten wir es mit einem ganz ungewöhnlichen Sterben zu tun. Dieser Mann schien weder Scham zu verspüren für seine Gebrechen, noch hatte er Angst vor dem Sterben... Denn was der Papst zeigte war nicht, dass er bitte in die Gesellschaft integriert bleiben möchte, sondern dass auch die letzte Kraft noch Kraft ist, mit der sich etwas bewegen läßt...Für nichts, was uns auferlegt ist, müssen wir uns schämen, nicht für das Zittern, nicht für das Röcheln, nicht für die Inkontinenz oder für das Allesvergessen." (Bernd Ulrich in der ZEIT)

Öffentlich organisiert - in Rom oder in Pforzheim - und still zugleich:
Als Zeugin oder Zeuge für den Weg, den ein Mensch geht im geschützten Raum einer Gesellschaft sind sie Öffentlichkeit, die eben nicht enttabuisiert werden darf.
Ob nun in Rom die Fensterläden geschlossen waren oder ob eine Hospizhelferin hier in Pforzheim irgendwo am Bett sitzt:
Wie läßt sich beschreiben, was "Dahinter" geschieht? An der Schwelle zwischen dem hier und dem dort? Auf dem Weg, den jeder Mensch nur alleine gehen kann? Was geschieht im Geheimnis, das sich uns entzieht?
Eine Zumutung...! Damals im April! Und alle sind geblieben.
Ja schon, eine Zumutung. Am Bett eines Schwerkranken.
Und was geschieht, wenn ich im Freundeskreis davon erzähle, was ich ehrenamtlich tue? Manchesmal ist es Bewunderung, die nach Überhöhung klingt. Manchmal ist es auch wie eine Störung, mein Erzählen, in der alltäglichen Betriebsamkeit des Nichthörenwollens.
Die Journalistin Beate Lakotta und der Fotograf Walter Schels, haben eine sehr besondere Ausstellungsdokumentation erstellt mit dem Titel "Noch mal Leben vor dem Tod". Bilder von Sterbenden Wochen und Tage vor ihrem Tod und das Bild nach ihrem Sterben. Sie berichten in ihrem Vorwort, dass sie mit dem Nichthörenwollen einerseits und dem Interesse an ihrer Arbeit andererseits ganz "widersprüchliche, überraschende Erfahrungen" gemacht haben: "Wann immer jemand uns in einer geselligen Runde beiläufig nach unserer Arbeit fragte, drehte sich nach kürzester Zeit das gesamte Gespräch um den Tod. Plötzlich hatte jeder ein persönliches Erlebnis beizutragen...Unsere Befürchtungen, unwillkommene Grabesstimmung zu verbreiten, waren unbegründet. Tatsache war: Die Leute wollten darüber reden."

Das Leben wecken. Sterbebegleitung zwischen Tabu und Öffentlichkeit. Zwischen Intimität und Neugierde. Zwischen Angst und Mut.

"Dazwischen" wird also das Leben geweckt. Nicht so sehr im Entweder - oder. Entweder leben oder sterben. Entweder Tabu oder Öffentlichkeit. Leben wird geweckt vorallem zwischen der Institutionalisierung der Hospizidee und deren Professionalisierung und dem unverzichtbaren Dienst ehrenamtlicher Hospizlerinnen und Hospizler, der dem eines Nachbarn gleicht.


III
Teilhabe am Unaussprechlichen und wirksame Hilfe.

Wilhelm Schmid (Philosoph) in Publik-Forum extra (Würdig sterben) bringt diese Spannung "zwischen dem einen und dem anderen" auf einen Punkt

Es gibt darüber hinaus jedoch noch eine weitere Übung, die nicht nur eine des Denkens bleibt, sondern zu einer veritablen Erfahrung wird, und die mit dem Sterbewissen in unvergleichlicher Weise das Lebenswissen befördert:
Das Mitsterben mit anderen ist mehr als nur deren "Begleitung", denn es ist die Erfahrung des Todes, als wäre es der eigene. Alles Vorwegdenken des Todes bleibt wirkungslos, solange das Selbst dessen Ernst nicht selbst erfährt, ihn vor sich sieht, sich einfühlt in ihn. Diese Erfahrung verändert die Perspektive auf das Leben von Grund auf, die Dinge ordnen sich neu und gewinnen oder verlieren an Bedeutung. Vieles von dem, was im Alltag sich vordrängt und wichtig erscheint, wird zu einem Nichts angesichts des Todes. ...Den Tod des Andern als den eigenen zu erleben: es gibt keine nachhaltigere Einübung in den Tod.


Es ist also nicht nur das Sterben des anderen, das wir begleiten. Das sich einlassen kann unser Leben verändern.
Wir stehen mit dem Sterbenden auf gleich schwankendem Boden und unser Mitsein am Bett oder Tisch eines schwerkranken Menschen kann der Romanfigur der "Frau in Rosa" ähneln, selbst wenn wir nicht vorgeben, eine Catcherin zu sein wie die wunderbare Romanfigur von Eric-Emmanuel Schmitt in "Oskar und die Dame in Rosa" erzählt. In unnachahmlicher Weise lesen wir, was ein krankes Kind beobachtet als ein Patient, der den Profis im Krankenhaus keine Freude mehr macht, weil er sterben wird:

"Seit meiner Knochenmarktransplantation merke ich, dass ich keine Freude mehr mache. Wenn mich Doktor Düsseldorf morgens untersucht, tut er es nicht mehr mit ganzem Herzen, ich enttäusche ihn. Er schaut mich ohne etwas zu sagen an, als ob ich einen Fehler gemacht hätte...Die Gedanken eines Arztes sind ansteckend. Inzwischen schaut mich das ganze Stockwerk, die Krankenschwestern, die Assistenzärzte und die Putzfrauen so an. Sie sind traurig, wenn ich gute Laune habe; sie zwingen sich zum Lachen, wenn ich einen Witz loslasse. Wirklich wahr, so wie früher lacht keiner mehr mit mir.
Bloß Oma Rosa hat sich nicht verändert. Meiner Meinung ist sie auch viel zu alt, um sich noch zu verändern. Und viel zu sehr Oma Rosa.


Wie sich Oskar und Oma Rosa verstehen und sich einander begleiten, sei empfohlen weiter zu lesen in eben diesem Buch.


IV
Hospizhelferinnen als "Frau in Rosa"? (Sicher nicht, weil sie "zu alt sind, um sich noch zu verändern!")
oder
Leben wecken an der Schwelle zum Tod?

Es wird Zeit, dass ich zunächst erzähle, wie dieses Wort "Leben wecken" entstanden ist: eine junge Frau war gestorben und viele Menschen Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben sie auf dem Weg zum Grab begleitet. Sie hatte viele Kindergruppe geleitet und wurde plötzlich aus dem Leben gerissen. Nach der Beerdigung wurde das Bild der jungen Frau in einen schwarzen Rahmen des Jugendraumes gestellt und ein tiefes dunkles Schweigen hat das Weiterleben in diesem Ort bestimmt. Bis die Eltern und der Bruder sagten, wir halten das nicht mehr aus, redet endlich mit uns, redet über unsere Tochter, meine Schwester....! Wie reden, wo der dunkle Schleier der Trauer sich vor neuem Schmerz schützen muss. Schützen vor dem Schmerz der Freude daran, wie schön es war, mit ihr zu leben, zu lachen, zu planen und bei jedem Abschied nach der Gruppenstunde "Nehmt Abschied Brüder" zu singen.
Wir müssen "das Leben wecken" - das war plötzlich meine Idee in der Vorbereitung und wir haben ein Ritual entwickelt, das Trauer und Freude, Schmerz und Dankbarkeit in gleicher Weise zu wecken vermochte. Im Dank an das, was uns verbindet, in der Erinnerung an das, was wir miteinander gelebt haben und im Mitgefühl für die Eltern und den Bruder, der daran teilgenommen hat. Am Ende, vor dem vertrauten "Nehmt Abschied Brüder" wurde rituell der schwarze Bilderrahmen von der Wand genommen und das Bild der Verstorbenen in einen gelben Rahmen gestellt - diejenigen, die um sie trauern, fühlten sie wie geweckt und ihre Freundin durfte mit leben, so wie sie es immer schon getan hat - im Herzen all derer, die sie lieben.

Das Leben wecken - Sie spüren es, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer meint das Leben in seiner Ganzheit
Zwischen der Geburt und dem Tod
Im Lachen und weinen, im Dank und im Schmerz in Allem, was wir so gerne versuchen zu trennen, um nicht das Leben zu wecken, das einem einen Geschmack davon zu schenken vermag und der den Tod nicht ausschließt. Der - ich sage es bewußt pathetisch - zum Liebhaber des Lebens wird. Denn was ist so schwer daran, Raum zu geben dem Schmerz, der Wut, den Tränen, dem Rückzug. Warum dieses Wegmachenwollen im entweder - oder?

Monika Müller: Bemerkenswert ist, dass immer nur das Dunkle, Trübe, Schwere losgelassen werden soll, nie hat man einem Schwerkranken raten gehört, dass er doch endlich mal Freude, Glück und Hoffnung loslassen soll. Diese Einseitigkeit zeigt, dass Loslassen den Menschen nicht in seiner Ganzheit und Identität führen kann, weil es nur teilweise geschieht. Ebenso bringt das Abwehren sogenannter schlechter oder falscher Gefühle wie Wut, Ärger, Trauer, Neid, nur halbe Menschen hervor, nämlich Menschen, die sich gar nichts mehr zu fühlen getrauen und in der Folge gefühllos und starr werden."
(Sind das dann die "lieben Patienten"?)

Kopf hoch!
Der ach so gute Ratschlag "es wird schon wieder" ist dann plötzlich eine ziemlich überraschende Begegnung zwischen einem Menschen, der mit seinem Sterben leben muss und dem, der ihm nahe sein möchte im Geleit.

Schauen sie selbst wie es ist, wenn ihr Nachbar seinen Kopf hebt: er schaut ihnen und sie ihm direkt in die Augen. Das geschieht beim "Kopf hoch" und wird wie zu einer Einladung der Begegnung zweier Menschen auf ihrem je eigenen Weg, die beiden dient für ihren Weg.

Wir brauchen Übergangsgemeinschaft, so nennt dies der bekannte Psychotherapeut und spirituelle Lehrer Peter Schellenbaum:
"Es gibt immer weniger Orte lebendiger Resonanz. Doch darauf kommt es an, diese Orte auf therapeutischem oder spirituellem Weg zu entdecken. Denn wenn ein Ich sich in einem Du zu spiegeln traut, dann gibt diese Beziehung dem einzelnen Menschen Kraft und schenkt ihm Glauben."

Sie im Hospizdienst wissen, dass sich Begleiten und Spiritualität (selbst verwurzelt und liebende Achtsamkeit) nicht ausschließen. Sie ergänzen sich, fließen ineinander über, können verschüttete Lebensquellen berühren ohne dass daran gebohrt werden muss.
Ich wage heute abend in dieser festlichen Stimmung zu fragen, ob in diesem Sinne der Hospizdienst Übergangsgemeinschaft sein kann im Zusammensein mit dem Sterbende, dem Angehörige und all denen, die ihn in ihrer fachlichen und ehrenamtlicher Weise begleiten.
Ist es deshalb bis heute noch kein Problem, Freiwillige anzusprechen, im Hospizdienst mitzumachen? Weil ich selbst Begleitung erfahren und weil ich in der Hospizgruppe meine inneren Fragen mit Menschen teilen kann, die dafür geöffnet sind. Immer wieder höre ich gerade dies als Grund des Engagements.
Das was in unserer christlich geprägten Tradition bis vor wenigen Jahrzehnten jedem einzelnen vertraut war, kann heute zu einem Gut werden, das den Einzelnen als Individuum begleitet und stützt auf einem Weg, den jeder - wie wir oft so locker sagen - alleine gehen muss.


VI
Einladend Leben wecken

In dieser Haltung sehe ich Hospizler in der nicht lösbaren Spannung von Tabu (Schutz) und Öffentlichkeit, ein notwendigen Spannung, in der Energie und Kreativität wohnen kann:

Dass sie Einladende werden...dass sie Menschen aufmerksam machen in einer Lebenssituation, die man immer zum ersten Mal erlebt und die einem alles raubt, was "man" doch wissen muss. Ich habe das selbst erlebt beim Sterben meines Vaters: dankbar bin ich einem Pfleger am Intensivbett meines Vaters, der meine Unsicherheit wahrnahm und der mich eingeladen hat, den Vater zu berühren.....er hätte auch ins Pflegezimmer gehen und anmerken können ( wie ich das oft höre in Teams....) jetzt arbeitet der doch selbst im Krankenhaus und weiß nicht mal was er tun soll. Ich war in diesem Augenblick jedoch kein Krankenhausmitarbeiter, sondern ich war Sohn.

Einladen
Sie können ihren Verstorbenen über 30 Stunden auch zu Hause lassen, sie können ihn vom Pflegeheim oder vom Krankenhaus nach Hause überführen, um gemeinsam in seiner vertrauten Lebensumgebung Abschied zu nehmen.

Sie können einladen statt zu sagen, heute sei Sterben eben tabu und die Menschen wissen nichts mehr...

Einladen kann der Patient selbst. Dann wenn ich - wie ein Palliativarzt Gerhard Pott) es sagt - "sozusagen aussteige aus der allgewaltigen Hülle meines Arztkittels und neben dem Patienten stehe als Zeitgenosse, der noch nicht oder nicht mehr krank ist...." In den existentiellen Fragen, Blicken, in seinem Schweigen...."sind wir schon die Bundesgenossen unserer Patienten."

Begleiten gleicht in seinem Dasein dann einem Dach für die Seele, auch für die Leere und Verzweiflung, ein Raum für Klage und Anklage, der schützt und nährt, selbst wenn ich lange schon meinen eigenen Weg weitergegangen bin.


VII
Lebenshilfe (Volker Gerhardt) oder Eine Kultur der Begegnung schaffen, die Leben zu wecken vermag.
In der ich nicht mehr sage
Ich kann "nur" dasein, sondern in der mein Dasein Präsenz und Aufmerksamkeit ist, die alles anders als einfach ist und die ein ständiges Üben meiner eigenen inneren Haltung notwendig macht.
In der ich das "einfach nur Hand halten" sprachlich nicht abwerte durch "einfach und nur" und weil ich meine Handlungslosigkeit nicht anders ausdrücken kann denn ein verliebter Mensch sagt seiner oder seinem Angebeteten wohl auch nicht...ich kann dir nur die Hand halten.
Weil Liebe sich so ausdrückt, weil Lieben mehr in Zeichen spricht und weil Liebe da ist.

"Eine neue Chance für die Lebenshilfe. Die Aufgabe ist klar: Man muss neue Formen der Hilfe entwickeln. Und es wäre eine völlige Verkehrung aller Intentionen des menschlichen Handelns, hier zuerst an "Sterbehilfe" zu denken. Es muss "Lebenshilfe" sein, und sie sollte nicht primär von den Palliativmedizinern kommen, sondern von den Angehörigen, Freunden und Gleichaltrigen."
(Volker Gerhardt in der Stuttgarter Zeitung)

In diesem Sinne sind sie, seid ihr, in den zurückliegenden 10 Jahren gemeinsam mit unzähligen Gruppen, die entstanden sind, Lebenshilfe geworden - für Sterbende und ihre Angehörige und für euch selbst in gleicher Weise.
Als Nachbarn, manchmal wie Angehörige, oft als Freunde und sogar auch als Gleichaltrige.

Die Journalistin und der Fotograf schreiben in dem bereits genannten Buch zum Schluss:
" Unsere Vorstellung vom Sterben ist während dieser Arbeit konkreter geworden. Natürlich haben wir dabei oft an unseren eigenen Tod gedacht, und das veränderte den Blick auf unser Leben. Wir möchten keine einzige Begegnung missen."


VIII
Uns so mögt ihr alle auch sagen dürfen heute und gestärkt und mutig das sein was ihr heute feiern dürft und worüber wie nachgedacht haben
Lebenswecker, Lebensweckerin, zwischen Schutz und Öffentlichkeit.


Hermann Bayer













Seitenanfang
Copyright © 2001
« zurück
Gerhard Kühlmann
vor »
Webmaster@hospizdienst-pforzheim.de